Im Gegensatz zum Mittelalter brauchen wir heute keine Zeichner mehr um Bilder zu kriegen. Fotografen und Kunstmaler müssen nicht mehr zeichnen können um gute Bilder zu machen. Da stellt sich die Frage, weshalb denn immer noch gezeichnet wird? Und was? Und wozu? Eine mögliche Antwort:
Die Zeichnung wird zur eigenen Kunst- und Ausdrucksform
Erst jetzt, wo sie für die Bilderzeugung gänzlich überflüssig geworden ist (vgl. “Die Zeichnung im Mittelalter”), lebt sie trotzdem weiter – in ganz eigenen und vielfältigen Formen:
Beispielsweise als Trickfilm, als Cartoon, als Gerichtszeichnung (wo die Wiedergabe fotografischer Aufzeichnungen verboten ist, nicht aber die Verbreitung von gezeichneten Beobachtungen und Eindrücken), als Illustration in Büchern und Zeitungen, in den meisten Kinderbüchern, auf Plakaten und in Gebrauchsanleitungen und auch als wissenschaftliche Zeichnung, weiter als Schemata um technische oder anderweitige Zusammenhänge zu visualisieren und ebenso wie in der Renaissance, als Gedanken- und Ideenskizzen.
Und natürlich in der bildenden Kunst wo die Zeichnung seit Jahrzehnten als reine Kunstform neben dem Gemälde und der Fotografie besteht.
Und ganz zum Schluss lebt die Zeichnung in einem ganz eigenen Garten, in einem meiner Lieblingsgärten wo Zeichnungen gedeihen und blühen können. Das ist die Kinderzeichnung!
Stefan Werthmüller
Juli 2010




